40 Jahre Türkiyemspor                  Gechichte in Fotos

Im Jahr 2018 wird Türkiyemspor 40 Jahre alt. Über diesen Verein mit seinen großen Zeiten und seinem Niedergang bis zur drohenden Insolvenz, seinen vielen unterschiedlichsten Akteuren auf und neben dem Sportplätzen, könnten Bücher geschrieben werden (wieso hat das noch niemand gemacht?).

Auf dieser Website kann ich kein Buch schreiben. Ich werde Türkiyemspor würdigen, indem ich mein Foto-Archiv online zugänglich mache. Mit Fotos aus der 40jährigen Vereinsgeschichte. Wobei die frühen Jahre fotografisch nicht viel hergeben. Ich selbst bin erst 1987 zu Türkiyemspor gestoßen. Eigene Fotos kommen daher erst ab den 90er Jahren - in Zusammenhang mit dem Erscheinen des Türkiyemspor-Fanzines Victory 93/94  - dazu. Und es werden sicherlich im Laufe der Zeit einige weitere Fotos folgen.

Ich werde die Fotos nicht inhaltlich/thematisch sortieren. Sie beinhalten Aufnahmen der Männer ebenso wie der Jugendabteilung, in den letzten Jahren auch der erfolgreichen Frauenabteilung. Schaut in die Alben, und ich hoffe, dass bei euch viele alte und schöne Erinnerungen wach werden.

Die meisten Fotos habe ich geschossen. Einige Fotos habe ich der der Fussball-Woche entnommen, und einige andere, insbesonders die älteren Datums, stammen von Mehmet Zagli, welcher Türkiyemspor seit vielen Jahren fotografisch als Hürriyet-Fotograf, aber auch als Herausgeber der türkischen Zeitschrift "Merhaba" begleitet.

Die frühen Jahre 1983 - 1988

Unser Club nahm 1983 den offiziellen Spielbetrieb auf und stieg in jedem Jahr eine Klasse weiter. Als Landesligist (1986/87) lag die Vereinsführung den alten Namen Izmirspor ab. Von nun an hieß der Verein Türkiyemspor und stieg mit seinem seit 1983 coachenden Trainer Bülent Gündogdu 1987 in die Oberliga (Westberlin) auf. Zudem konnte Türkiyemspor 1987 zum ersten Mal den BFV-Pokal gewinnen und sich so die Teilnahme am DFB-Pokal sichern.

Kurz vor dem großen Triumph 1988 - 1991

In der Saison 1989/90 gab es Tumulte beim Türkiyemspiel bei Rapide Wedding. Türkiyemspor wurde mit Suspendierung vom Spielbetrieb gedroht, die Türkiyem-Zuschauer boykottierten daraufhin das nächste Spiel in Reinickendorf.

Dezember 1990 kam Bayern München und trat gegen Türkiyemspor an. Am Ende hieß es freundschaftlich 1:2.

Das vierte Jahr Oberliga  mit Trainer Wolfgang Sandhowe endete trotz einiger Verbands-Skandale (siehe Archiv) fast mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga. Im entscheidenden Spiel gegen TeBe am vorletzten Spieltag ging Türkiyemspor aber mit 0:5 unter. Immerhin konnte unser Verein 1990 und 1991 den BFV-Pokal und 1990 und 1991 das Oberliga-Hallenturnier in der Sömmeringhalle gewinnen.

1991/1992

Diese Saison wurde ein hartes Event für den Verein und seinen Fans. Der Berliner Fussball-Verband zwang Türkiyemspor, seine Heimspiele in dieser Saison im Ostberliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion auszurichten, da das heimische Katzbachstadion angeblich nicht sicher genug sei. Gleich zwei Mal kam es zu Ausschreitungen in den Spielen gegen Union. Und die Türkiyemspor-Fans rasteten gegen BW 90 aus. Seit dem Tag sind bei Türkiyem-Spielen Türkei-Flaggen verpönt gewesen. Trainer Wolfgang Sandhowe mußte im Herbst gehen, Bülent Gündogdu kam.

Unser Verein protestierte übrigens in dieser Saison gegen seine unzureichenden Trainingsbedingungen. Obwohl Türkiyemspor unsere Stadt in der NOFV-Oberliga vertritt, steht ihm kein Rasenplatz als Trainingsort zur Verfügung. Aus Protest trainierte unser Team vor dem Reichstag.

Dazu Schnappschüsse aus Magdeburg, von den weniger schönen Ereignissen in Cottbus und aus Stendal.

1992/1993

In Erinnerung geblieben ist mir, dass unser Klub Anfang 1993 innerhalb von vier Tagen den 1. FC Union zwei Mal schlagen konnte: 3:0 im Punktspiel und unter der Woche dann 1:0 im Pokal.

Bilder von den Auswärtsfahrten nach Halle und Dessau und vom BFV-Pokalfinale bei Tennis Borussia, das Türkiyemspor mit 0:2 verlor.

1993/1994

Eindrücke von den Spielen in Cottbus und beim BFC Dynamo. Zudem gab es ein skandalöses Hallenturnier des Berliner Fussball-Verbandes.

1994/1995 und 1995/1996

Türkiyemspor stieg 1994 in die neu gegründete NOFV-Regionalliga auf, und hätte sich auch gleich wieder zurück ziehen sollen, wenn man dem schlechten Omen gefolgt wäre, denn der neu verpflichtete Trainer Oertwig ist noch vor Beginn der Spielzeit wieder gefeuert worden. Folgerichtig stieg unser Verein sang- und klanglos wieder ab.

Das folgende Oberliga-Jahr war erfreulicher, mit Autokorso zum Spiel in Schwedt und anschließendem Abfeiern der Mannschaft. Das gleiche in Dessau. Zudem die ersten Jugendfotos. Es handelt sich um die D-Jugend von Türkiyemspor.

1996/1997

1997/1998

Die Saison, die mit Henry Häusler als Männer-Trainer startete, verlief nicht so günstig. Während die Männer schon in der 1. Runde des BFV-Pokals beim 1. FC Schöneberg rausflogen konnte die 1. D-Jugend unseres Vereins Berliner Pokalsieger werden. Das war das erste Mal, dass eine Jugendmannschaft Türkiyemspors einen offiziellen Titel gewinnen konnte. Henry Häusler war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Trainer bei Türkiyemspor.

1998/1999

Türkiyemspor ist in die Verbandsliga abgestiegen und spielt zum ersten Mal seit 12 Jahren nicht mehr überregional.

1999/2000

Der Spieler der Saison war Micha Fuß. Er erzielte in dieser Verbandsliga-Saison 66 Tore, davon allein sieben beim 18:0-Sieg über SW Spandau. Nach  zwei Verbandsliga-Jahren stieg unser Team am Ende wieder in die Oberliga auf. Zudem gewann es das Verbandsliga-Hallenturnier und konnte beim Turnier der Oberliga-/Regionalliga nur von Hertha BSC Am. gestoppt werden.Trainer war übrigens Ex-Bundesligaspieler Thomas Herbst.

Die D-Jugend holte nach zwei Jahren den zweiten Titel für Türkiyemspor. Sie wurden Berliner Meister. Und Kemal Eraslan, der erfolgreichste Torjäger der ersten Türkiyem-Jahre, trainierte mittlerweile eine Jugendmannschaft.

2000/2001

Die Höhepunkte waren eine erfolgreiche Jugendarbeit (die B-Jugend wurde Berliner Meister und zudem Berliner Pokalsieger) sowie der Sieg der Männer im Halbfinal-Spiel des Berliner Pokals im eigenen Stadion gegen den 1. FC Union. Ärger gab es wenige Wochen vorher, denn unser Heimspiel gegen den BFC Dynamo wurde in das weit entfernte Stadion der Reinickendorfer Füchse verlegte, weil dort ein Stadionzaun die Zuschauer vom Spielfeld trennt.

2001/2002

Der Männerbereich verpflichtete einen großen Namen: Uli Borowka, einst DFB-Pokalsieger mit Werder Bremen, wurde Trainer bei Türkiyemspor. Die Saison verlief aber nicht so gut, und als das Team endlich in der Rückrunde in die Erfolgsspur kam, wurde der Trainer entlassen. Die Tränen und Sympathiebekundungen der Spieler bei der entscheidenden Pressekonferenz waren vergebens. Peyami Yayla, übernehmen sie.

Die A-Jugend konnte 2002 die Berliner Meisterschaft feiern.

2002/2003

Trainer Uli Borowka mußte letzte Saison vorzeitig weichen, damit Mehmet Öztürk in dieser Saison die Mannschaft übernehmen kann. Der gute Mehmet beendet aber schon nach zwei Monaten sein Engagement. Dann übernahm Bülent Gündogdu. Dieser hörte dann aber urplötzlich noch vor dem Saisonende auf und wechselte sogleich zu Yesilyurt. Mit ihm ging Co-Trainer Peyami Yayla sowie der sportliche Leiter. des Vereins. Notnagel Ekrem Asma führte das Team bis zum Saisonende. Immer nebenbei begleitet von rassistischen Nickligkeiten wie bei Lichtenberg 47.

Ein Lichtblick für den Verein: Die A-Jugend wurde Berliner Pokalsieger .

2003/2004

Lustig dreht sich weiter das Trainerkarussel: Ekrem Asma fuhr mit seinem Kader ins Sommer-Trainingslager. Und als er zurück war, wurde er telefonisch entlassen. Wolfgang Sandhowe kam dafür zurück zu Türkiyemspor. Doch auch er wurde entlassen. In der Winterpause. Diesmal per SMS. Und dann kam Thomas Herbst wieder.

Ümit Karan, Spieler von Galatasaray Istanbul und Nationalspieler der Türkei, hatte bis 1997 bei Türkiyemspor gekickt. Nun besuchte er seine alte Wirkungsstätte, und die Kids sammelten Autogramme.

2004/2005

2005/2006

In dieser Saison bekamen die Jungenteams endlich farblich einheitliche Trikots (wie man auf den Fotos unschwer erkennen kann). Es wurde zudem die Mädchenabteilung ins Leben gerufen. Und so bekam unser Verein eine neue Facette des Sports, die ihm bis heute gut zu Gesicht steht. Was war noch? Ach ja, die D-Jugend durfte im Katzbachstadion vor den Royals Prinz Charles und Camilla aus Großbritannien vorspielen, und die Spieler bekamen den Pokal eigens von Camilla ausgehändigt. Und da waren noch die Proteste der Babelsberg-Fans, da Türkiyemspor für das Spiel gegen den Nachbarn aus Potsdam einen Top-Zuschlag erhob. Selbst Präsident Remzi Kaplan mußte sich in Diskussionen begeben. Übrigens: Thomas Herbst ist nun schon seit 2,5 Jahren ununterbrochen Trainer bei Türkiyemspor.

2006/2007

Analog zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 veranstaltete ein unbedeutender Verein in Ostberlin ein F-Jugend-Turnier nach WM-Modus. Türkiyemspor spielte für Japan, gewann das Turnier, und die Kleinen wurden prompt in die japanische Botschaft eingeladen. Dagegen verblasste natürlich der Erfolg der A-Jugend, die nur Berliner Meister wurde und in die Regionalliga aufstieg.

Und bei den Männern drehte sich das Trainerkarussel wieder: Jürgen Görlitz, ab Herbst Ergün Pinarbasi, ab Januar Eric Meißner, ab Ostern Fikret Ceylan. Und wir hatten im Winter einen neuen Spieler: George Boateng, der älteste der Boateng-Brüder, leider fußballerisch auch der untalentierteste.

2007/2008

Die A-Jugend wurde Berliner Pokalsieger. Und der Verein Türkiyemspor gewann den 1. Platz im Integrationspreis des DFB in Gestalt eines Mercedes Vito. Bilder von der Preisverleihung in Stuttgart und der Übergabe des Fahrzeugs in Berlin. Der Vito stand von da an hauptsächlich der Mädchenabteilung zur Verfügung.

Und die Männer erreichten den Aufstieg in die Regionalliga Nordost.

Ach ja, da war noch der Auftritt unserer D-Mädchen bei Kika-Live. Eine Woche Erfurt, mit viel Spaß und Freude. Und wenn wir schon bei Fernseh-Auftritten sind: Mädchen und Jungen unserer Jugendabteilung spielten in der Pro7-Westernparodie "Spiel mir das Lied und du bist tot" mit, die 2008 ausgestrahlt wurde.

2008/2009

Die Regionalliga-Saison mit Trainer Uwe Erkenbrecher war von Fusionsplänen mit dem BAK, aber auch von Diskussionen um die fehlende Trainingsmöglichkeiten im heimatlichen Bezirk bestimmt. Beides erfolglos, wie wir heute wissen. Weder die Fusion, die für 2009 angepeilt wurde, noch der versprochene Sportplatz am Gleisdreieck , kam zustande. Immerhin konnte Türkiyemspor die Klasse halten. Das aber nur, weil sich Kickers Emden nach Saisonschluß aus der Regionalliga zurück zog.

Dazu ein Foto vom Saisonbeginn in Chemnitz, wo wir auf bei Türkiyemspor-Spielen lange nicht mehr gesehene Nazi-Horden trafen. Das Foto unserer Spieler Hülya Kaya und Leon Poschmann habe ich dem ARTE-Magazin entnommen.

2009/2010

Türkiyemspor kämpft erneut gegen den Abstieg, dieses Mal mit Taskin Aksoy als Trainer. Allerdings nur bis April, dann verabschiedet sich der etwas glücklose Taskin. Die letzten drei Punkspiele übernimmt Bahman Fouroutan, und sorgt mit drei Siegen dafür, dass Türkiyemspor ein drittes Regionalliga-Jahr planen kann.

Unangenehmes geschah zu Saisonbeginn: Während des Trainingslagers im brandenburgischen Lindow ließen sich einige Spieler von rassistischen Sprüchen der Dorfjugend provozieren. Einen Tag später marschierten die B-Jugend-Spieler mit Stöcken bewaffnet los, um sich zu "revanchieren". Türkiyemspor entließ daraufhin die entsprechenden Jugendlichen, die Dorfjugend entschuldigte sich beim Verein, und der SPD-Bürgermeister von Lindow sah eh kein rechtes Gedankengut in seinem Ort.